20 Jahre 1. Jägerzug – Interview mit Mark Stockums

 

 

Der 1. Jägerzug Wanlo ist im Jahr 2015 nicht nur Königsgruppe, sondern feiert auch sein 20-jähriges Bestehen. Die Paradeschrift nahm dies zum Anlass, sich mit Gründungsmitglied Mark Stockums zu treffen und über den Jägerzug – gestern und heute – zu sprechen. Herausgekommen ist ein vielseitiges und launiges Porträt unserer diesjährigen Königsgruppe.

 

PS: Der Jägerzug entstand ja 1995 aus der Schülergruppe heraus. Wie hast Du die Gründung damals erlebt?

 

MS: Angefangen hat ja alles damit, dass Franz Moll, Achim Haimüller und Theo Schiffer Ende der 80er Jahre eine Schülergruppe aufgebaut haben und dafür junge Leute suchten. Bestimmt 20 Kinder oder sogar mehr kamen da schon zusammen und man zog dann mit schwarzer Hose, weißem Hemd und Spazierstock auf. Aber in den nächsten Jahren haben wir dann schon andere Outfits gehabt, ganz legendär waren Auberginen-farbene Pullover, die mal während einer Parade nass wurden und die Farbe richtig aus den Pullis rauslief. 1995 sind wir dann erstmals mit den Uniformen aufgezogen und daher ergab sich das dann als Gründungsdatum.

 

PS: Warum wurde es ausgerechnet ein Jägerzug?

 

MS: Wir wollten nach außen als richtige und erwachsene Gruppe wirken und nicht mehr mit irgendwelchen Fantasieuniformen aufziehen. Dass wir ein Jägerzug wurden, war erst relativ spät klar. Wir haben lange überlegt, welche Uniformen wir uns anschaffen sollten, in Wanlo gab es ja schon diverse Marine- und Husarengruppen. In einem Anzeigenblatt haben wir dann gesehen, dass sich ein Jägerzug aus Gierath (bei Jüchen) aufgelöst hatte und 12 Uniformen zum Verkauf anbot. Die haben wir dann gekauft und damit erstmal alle ausstaffiert. Nachdem wir gesehen hatten, dass es noch nie zuvor einen Jägerzug in Wanlo gegeben hatte, haben wir uns auch 1. Jägerzug Wanlo genannt.

 

PS: In den 90er Jahren stellten die Mitglieder des Jägerzugs quasi durchgehend das Jungkönigshaus. Wie habt ihr euch darüber hinaus als junge und neue Gruppe in der Bruderschaft etablieren können?

 

MS: Klar, zunächst waren wir die „kleinen Grünen“ und zum Teil werden wir ja heute noch so genannt. Nichtsdestotrotz waren viele im Dorf froh, dass sich aus einer Schülergruppe eine echte Gruppe geformt hat, die die Traditionen weiter hoch hält. In den Anfangsjahren sind wir wirklich positiv aufgenommen worden. Wir wurden zum Beispiel sonntags von Bruderschaftlern zum Frühstück eingeladen und auch Theo Schiffer, der die Schülergruppe soweit betreut hat, dass aus ihr der Jägerzug werden konnte, hat sich immer um uns gekümmert. Deshalb ist der Theo auch das einzige Ehrenmitglied des Jägerzugs.

 

PS: Inwiefern hat diese Betreuung durch die Bruderschaft bei euch Früchte getragen?

 

MS: Naja, wir haben ja schon zu Zeiten der Schülergruppe viele Ausflüge gemacht, beispielsweise in Freizeitparks oder nach Spa zum Go-Kart-Fahren. Mit der Zeit ist da natürlich auch ein richtiger Freundeskreis entstanden und obwohl nur noch fünf Gründungsmitglieder aktuell in der Gruppe sind, ist der Jägerzug so mitgliederstark wie lange nicht mehr – aktuell sind wir 16 Mann. Das ist einfach großartig, wenn man sieht, was aus dieser kleinen Schülergruppe entstanden ist. Wir sehen uns das ganze Jahr hindurch und machen auch unglaublich viel zusammen.

 

PS: Wie geht ihr als Gruppe damit um, dass Mitglieder aus beruflichen oder privaten Gründen ausscheiden und dass es gleichzeitig immer wieder neue Leute gibt, die in die Gruppe zu integrieren sind?

 

MS: Wir achten gerade bei Neuaufnahmen darauf, dass es wirklich für alle, die bereits Mitglied im Jägerzug sind, wirklich passt. So haben Neumitglieder grundsätzlich ein Probejahr zu absolvieren und da testen wir die Anwärter auch wirklich auf Herz und Nieren. Sollte nach dem Probejahr auch nur ein einziges Mitglied einer Aufnahme in die Gruppe widersprechen, hat der Kandidat dann eben keine Chance bei uns. Es muss halt zu 100% passen, das Risiko ist zu groß, dass die Gruppe dadurch auseinander fliegt oder es zu Streit kommt. Normalerweise ist Streit bei uns aber auch immer schnell geschlichtet.

 

PS: Viele Mitglieder des Jägerzuges sind inzwischen Familienväter oder seit langem in festen Händen. Welche Rolle spielen die Frauen und Familien für euch?

 

MS: Also die Frauen sind eigentlich immer mit Rat und Tat bei der Sache mit dabei, es gab ja sogar mal die eigene Gruppe der „Jägermeisterinnen“. Die Frauen sind eigentlich immer und überall aktiv mit dabei und unterstützen sowohl ihre Männer als auch die Kinder, die ja zum Teil schon bei den Jungschützen aktiv sind.

 

PS: Gehen wir in der Geschichte des Jägerzuges ein bisschen weiter. Anfang der 2000er Jahre befand sich die Bruderschaft in einer finanziellen und personellen Krise. Viele Mitglieder des Jägerzuges versuchten sich damals auch in Vorstandsämtern, hielten dort aber immer nur ein paar Jahre durch. Woran könnte das gelegen haben?

 

MS: Ich denke, das lag hauptsächlich an den beruflichen Verpflichtungen, die wir damals alle hatten. Wir waren noch nicht so gefestigt im Beruf, viele kletterten noch auf der Karriereleiter nach oben, da fehlte dann oft die Zeit, sich um die Bruderschaft zu kümmern. Die Prioritäten liegen dann eben anders. Wenn man 50 ist und es im Beruf nicht mehr um so viel geht, dann kann man sowas schon eher leisten. Ich denke, dass es da demnächst auch vonseiten des Jägerzuges wieder mehr Engagement geben wird. Allein die Tatsache, dass wir seit 2011 den Brudermeister stellen und nun auch Sascha Jägers wieder im Vorstand ist, beweist, dass da von uns mehr kommt, weil es im Verein jetzt ja auch besser läuft.

 

PS: Darüber hinaus ist der Jägerzug jetzt schon zum zweiten Mal in Folge die Königsgruppe. Was bedeutet das für euch?

 

MS: Verdammt viel Arbeit (lacht). Wenn in diesem Jahr nochmal einer aus dem Jägerzug zum Vogelschuss antritt, werde ich als Schießmeister persönlich dafür sorgen, dass da nur Luft kommt (lacht).

 

PS: Oha. So schlimm?

 

MS: Naja, es belastet ja auch die Gruppenkasse extrem. Da ist es jetzt nach zwei Jahren hintereinander auch mal gut. Ich hoffe, dass dann mal wieder jemand aus einer anderen Gruppe antritt. Es ist ja durchaus zu stemmen – für jede Gruppe. Aber es ist halt mit sehr viel Arbeit verbunden, auch wenn wir jetzt große Teile der Residenz von Bernd Wienands wieder verwenden können. Nichtsdestotrotz werden wir wieder einige Wochen Zeit und Arbeit dort investieren müssen.

 

PS: Was bedeutet das Schützenfest generell für den Jägerzug?

 

MS: Das Schützenfest ist einfach für jeden in der Gruppe das absolute Highlight eines jeden Jahres, auch wenn wir viele andere schöne Sachen gemeinsam über das Jahr hinweg machen. Für das Schützenfest ist es einfach Pflicht, sich Urlaub zu nehmen und die Zeit zu genießen. Und bereits jetzt laufen die Planungen auf Hochtouren für den König Christian Giesen. Unsere Köche arbeiten an Speiseplänen und die Residenz wird ebenfalls schon geplant. Schützenfest kann kommen.

 

PS: Der Jägerzug ist während des Schützenfestes ja auch immer der Stimmungsgarant in der Festhalle. Wo nehmt ihr diese riesige Lust an Party, Stimmung und Freude am Feiern her?

 

MS: Wir haben natürlich einige Rampensäue bei uns in der Gruppe. Die verstellen sich auch nicht, die gehen einfach immer ab bei sowas. Da steckt auch kein Plan oder keine Philosophie hinter, die meisten bei uns sind einfach die geborenen „Party People“. Die Jüngeren von uns sowieso, aber auch die anderen wollen einfach nicht erwachsen werden. Da zähle ich mich auch zu (lacht).

 

PS: Was ist für Dich und auch für den Jägerzug generell das schönste Erlebnis in den letzten 20 Jahren gewesen?

 

MS: Also für mich persönlich war das Jahr 1997 das absolute Highlight. Wir hatten keinen „großen“ König und ich war Jungkönig, sodass entsprechend viel an mir hängen blieb. Das war Fluch und Segen zugleich, aber für mich persönlich wirklich schön. Für die Gruppe ist es schwieriger. Fast jedes Jahr hatte immer irgendwelche Highlights, auch wenn ich zum Beispiel an die Ausflüge unter dem Motto „Jägerzug and Friends“ denke. Für den ganzen Jägerzug dürfte als Erlebnis immer noch das Schützenfest zum Jubiläumsjahr 2000 in Erinnerung bleiben, weil sich da vom Programm her einfach unfassbare Dinge abgespielt haben. Allein die ganzen Gruppen, die damals da waren – einfach ein Riesenfest.

 

PS: Die letzte Frage wird häufig bei Jubiläen gestellt: Wo sieht sich der Jägerzug in 20 Jahren?

 

MS: In der Hinsicht würde ich gerne Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach zitieren, der ja auch immer „von Spiel zu Spiel schaut“. So werden auch wir immer von Jahr zu Jahr schauen. Aber wenn es zwischenmenschlich bei uns so weiter geht wie bisher und uns auch das Schützenfest in Wanlo generell erhalten bleibt, dann denke ich, dass wir auch solange weitermachen, dass wir auch in vielen Jahren noch als Jägerzug unterwegs sein werden. Worauf ich mich kurzfristig schon freue, ist das Silberne Jubiläum in fünf Jahren, da machen wir dann eine richtige Party und es wird garantiert wieder einen König aus unserer Gruppe geben.