Interview mit Matthias Rissen

 

 

Genau 40 Jahre ist es her, dass Matthias Rissen Bezirkskönig im Bezirk Erkelenz I war und er damit das Bezirksschützenfest vom 22. bis 24. September nach Wanlo holte. Im Interview mit der Paradeschrift erinnert sich Matthias Rissen an die Ereignisse vor 40 Jahren.

 

PS: Herr Rissen, 40 Jahre ist es her, dass Sie Bezirkskönig waren. Was war das für eine Zeit damals?

MR: Es war eine arme Zeit, aber auch eine schöne Zeit. Keiner ist über seine Verhältnisse hinausgegangen, das war gut für die Gemeinschaft.

 

PS: Erzählen Sie uns etwas über die Hintergründe Ihrer Königswürde damals. Wie sind Sie hier überhaupt Schützenkönig geworden?

MR: Ich wollte eigentlich im Jahr zuvor schon Schützenkönig werden, aber beim Schießen in der Tenne habe ich das Gewehr ständig verzogen. Der Hauptmann war nur am Schimpfen. Im Jahr darauf fragte meine Frau, ob ich es nochmal versuchen wollte und sagte, sie würde mir auch helfen. So gab sie mir einfach ein dickes Stück von einer Beruhigungstablette und prompt klappte alles. Ich muss aber zugeben, dass ich vorher im Feld noch mit Heinz Klauth trainiert hatte.

 

PS: Und wie war dann der Vogelschuss für die Bezirkskönigswürde?

MR: Der Schießwettbewerb war in Ratheim gewesen. Es war ein unglaublich heißer Tag. Ich bin da eigentlich hingefahren mit der Idee, wenn es klappt, dann ist es gut, wenn es nicht klappt, auch gut. Heinz Klauth, der hier beim Wanloer Schützenfest Minister von mir war, war allerdings richtig aufgeregt und feuerte mich ständig an, gucken zu gehen, wie der Zwischenstand war. Um fünf nach vier hieß es dann, ich hätte gewonnen. Heinz hat nachher mehr gejubelt als ich. Das schönste war, dass Jakob Krenzel am selben Tag in Tüschenbroich auch noch den Wettbewerb zum Bezirksjungkönig gewonnen hat.

 

PS: Haben Sie sich die Residenz hier mit Jakob Krenzel beim Bezirksschützenfest geteilt?

MR: Ja, wir haben eine richtig große Laube bei uns im Garten aufgebaut, von wo wir beide aufgezogen sind. Einige waren natürlich etwas sauer wegen der ganzen Arbeit, schließlich hatten wir die Laube zur Frühkirmes schon mal aufbauen müssen.

 

PS: Wie war der Zulauf damals zum 1973er Bezirksschützenfest? Wie hat sich Wanlo präsentiert?

MR: Es waren wirklich alle da. Auch viele Vereine von außerhalb. Ich hatte es noch geschafft, über meinen Schwager ein Trommlercorps aus Hochneukirch zum Umzug dazu zu holen. Dem Kassierer stand der Schreck ins Gesicht geschrieben, bis ich ihm sagte, dass ich mich um alles gekümmert hatte. Die Beteiligung Wanlos war wirklich einmalig. Selbst Leute, die man bislang noch nie im Umzug gesehen hatten, waren mit dabei. So was vergesse ich nie.

 

PS: Was finden Sie heute am schönsten, wenn Sie auf all das zurückblicken?

MR: Ja, damals war das alles eine schöne Eintracht. Die ganze Nachbarschaft war hier bei den Festivitäten immer dabei. Was auch wichtig war, war die Gemeinschaft mit meinen beiden Ministern Heinz Klauth und Josef Müller mit ihren Frauen. Eine richtige Freundschaft war das.

 

PS: Warum sind Sie nicht nochmal Schützenkönig geworden oder einer Gruppe beigetreten?

MR: Heinz Klauth war schon zwei Mal König gewesen, ich war Schützen- und Bezirkskönig gewesen – mehr kann man nicht wollen. In einer Gruppe war ich mal in meinem Heimatdorf Borschemich gewesen, aber da ich nicht besonders groß war, sah ich in dem Jägerrock so lächerlich aus, dass mich alle anderen auslachten. Da sagte ich ‚Nie wieder ziehe ich eine Uniform an.‘

 

PS: Wie blicken Sie heute auf die Bruderschaft und das Schützenfest?

MR: Die Kameradschaft hat meiner Meinung nach schwer nachgelassen. Viele junge Leute verlieren zu schnell das Interesse an den Vereinen. Dafür ist die Zeit zu schnelllebig und es gibt zu viele andere Interessen, die die Leute verfolgen. Und ich finde, dass es heute alles zu teuer geworden ist. Früher hat man selbst als König ein einfaches aber schönes Fest auf die Beine stellen können, heute muss man ja im Lotto gewinnen, um den König machen zu können. Aber die Könige versuchen sich ja auch immer gegenseitig zu übertreffen. Da muss mehr Wert auf Einfachheit, Eintracht und Kameradschaft gelegt werden.

 

PS: Gibt es dennoch einen Anlass oder eine Veranstaltung, die Sie in diesem Jahr besuchen werden?

MR: Ich verpasse nie die Messe am Sonntagmorgen und gehe immer zum Frühschoppen nachher in die Halle. Klasse fand ich es, als ich dabei vor einigen Jahren nochmal das alte Königssilber tragen konnte.