Interview mit Jugendwart Stefan Stepprath

 

 

Ende letzten Jahres jährte sich der erste Tag der Jungschützen zum fünften Mal. Seit diesen Tagen ist Stefan Stepprath als Jugendwart der Bruderschaft tätig und hat seither eine schlagkräftige Truppe an Jungschützen zusammengestellt und viel mit ihnen erlebt. Im Interview blickt er auf die vergangenen fünf Jahre zurück und zieht eine erste Bilanz.

 

PS: Im November 2010 fand der erste Tag der Jungschützen statt, 2011 ging die heutige Gruppe der Jungschützen erstmals im Zug mit. Es war die Gründerzeit der neuen Jugendarbeit unserer Bruderschaft. Wie bist Du eigentlich Jugendwart geworden?

 

ST: Tja, wie bin ich Jugendwart geworden? Der Vorstand hatte damals die Idee, die Kinder im Ort wieder mehr im Schützenwesen einzubinden. Erwin Heintges hatte sich da bereits engagiert, konnte das Projekt aber nicht mehr umsetzen, da er viel zu früh verstorben ist. Also kam Michael Schmitz als Kassierer auf mich zu und fragte, ob das Amt des Jugendwartes nichts für mich wäre – auch wegen meiner eigenen Kinder in dem entsprechenden Alter und der Verbindungen in die gleiche Altersklasse. So bin ich dann – ohne selbst anwesend zu sein – auf der OMV zum Jugendwart gewählt worden. Ohne Plan, ohne Ahnung von der Materie. In einer kleinen Arbeitsgruppe zur Jugendarbeit haben wir dann einfach mal angefangen.

 

PS: Womit?

 

ST: Beim ersten Tag der Jungschützen haben wir erstmal alle Kinder, die Lust auf Bruderschaft hatten, eingeladen und den Verein vorgestellt. Wir haben auch die Fahnenschwenker aus Broich-Peel da gehabt, den Kindern die Tradition erklärt und die Älteren auch mit dem Luftgewehr schießen lassen. Und so hat im Laufe der Zeit das eine das andere ergeben. Wir haben den Tag der Jungschützen beibehalten, wir sind beim Rosenmontagszug mitgegangen, machen regelmäßige Gruppenstunden. So ist ein richtiges Schneeballsystem aus bunten – auch manchmal auf den ersten Blick doof erscheinenden – Ideen entstanden. Es hat aber immer irgendwie funktioniert, weil die Kinder auch Spaß daran hatten.

 

PS: Welche Aufgaben hast Du für Dich als Jugendwart in dieser Zeit definiert?

 

ST: Vor allem das Entwickeln von Ideen. Auch Ideen in der Richtung, wie man den Kindern Glaube, Sitte und Heimat in einem Ort näherbringen kann, wo es nur die reine Tradition gibt. Wir haben keine Action hier – kein Schießen, kein Fahnenschwenken. Unsere Action besteht aus ein bisschen „Ufftata“ an drei Tagen im Jahr… Den Kindern aber die ganze Gemeinschaft zu zeigen, die in Wanlo das ganze Jahr dahinter steht, das war die Herausforderung. Hinzu kam noch, aus dem bunten Haufen an Kindern, die sich nur zum Teil kannten, eine richtige Gruppe zu bilden. Zum Beispiel über Teamevents.

 

PS: Die Gruppenbildung war dann tatsächlich von Erfolg geprägt. Wann wusstest Du, dass die Gruppe der Jungschützen keine Eintagsfliege sein wird?

 

ST: Hm, das ist schwierig. Es gab schon einen ersten Hype als wir an die Öffentlichkeit gegangen sind und Kinder gesucht haben, die sich der Gruppe anschließen wollen. Obwohl inhaltlich noch gar nichts vorbereitet war, hatten sich schon richtig schnell, richtig viele Kinder gefunden. Aber ehrlich gesagt, weiß ich selbst heute noch nicht, ob das Projekt auf einer Erfolgsspur ist. Ja, wir sind eine große Truppe und machen viel. Die Frage, die ich mir aber stelle ist, ob der ganze Verbund auch hält, wenn ich die Zügel irgendwann mal loslasse und sage: „Lauft mal alleine.“ 

 

PS: Trotzdem war und ist die Wahrnehmung der Jungschützen in der Öffentlichkeit ja immer sehr positiv. Zum Beispiel durch die neuen Uniformen 2012 als Aushängeschild für funktionierende Jugendarbeit in Wanlo. Wie hast Du diese öffentlichkeitswirksame Funktion wahrgenommen?

 

ST: Das mit der neuen Uniform war natürlich ein Hammer-Bild. Alle einheitlich und es sah auch noch total schick aus. Bei 20, 25 Kindern in Uniform, die angetreten im Zug oder beim Gruppenbild stehen, da wächst natürlich der Stolz. Da haben auch die Kinder für sich begriffen, dass sie zusammengehören. Und das merkt man auch heute noch: Alle passen verdammt gut auf ihre Uniformen auf. Für manche ist die Uniform ein echtes Heiligtum. (Lacht)

 

PS: Was waren bisher die Highlights, die Du mit der Gruppe erlebt hast?

 

ST: (Überlegt lange) Puh, was waren denn die Highlights? Das Zelten ist eigentlich in jedem Jahr das Highlight – auch für mich persönlich. Da haben wir die Zeit, uns allein um unsere Sachen zu kümmern. Das ganze Team – Kyra Irrgang, Yvonne Schmitz, Julia Reinartz und ich – gibt sich riesige Mühe bei der Vorbereitung, Marcel Schiffer kocht mit großem Aufwand. So ergibt sich jedes Mal die Gelegenheit, mit der Gruppe Spaß zu haben, inhaltlich zu arbeiten und alle Kinder wirklich voran zu bringen. Da freuen sich auch alle Kinder und Betreuer das ganze Jahr drauf. Natürlich ist Kirmes auch ein Highlight. Schon jetzt (Anfang März) fragen alle, wann denn wieder geübt und was in diesem Jahr vorbereitet wird, aber das Zelten ist als Gruppenevent schon herausragend.

 

PS: Welche Rolle spielen die Eltern der Jungschützen für so eine Gruppe?

 

ST: Die wesentliche Rolle. Wenn die Eltern nicht dahinter stehen, was die Kinder tun und tun dürfen, dann kommt auch kein Engagement der Kinder. Das merkt man zum Beispiel bei den Vorbereitungen für den Rosenmontagszug. Die Eltern der Jungschützengruppe stehen aber inzwischen auch richtig gut zusammen, es macht sehr viel Spaß mit denen zu arbeiten. Von deren Seite kommt auch enorm viel Kreativität. Da dort jeder das, was er kann, mit einbringt, können wir viele Aktionen erst umsetzen. Das Team allein bekäme das nicht hin.

 

PS: So werden die Eltern auch in die Dorf- und Vereinsgemeinschaft eingebunden?

 

ST: Vollkommen richtig. Ein aktuelles Beispiel: Im Zuge der Vorbereitungen für den Veilchendienstagszug waren zuletzt alle Eltern der teilnehmenden Kinder im Pfarrheim versammelt. Da waren auch Eltern der Kinder aus der Garde mit dabei, die ich gar nicht kannte. Einer der Väter blühte dort richtig auf, hatte eigene Ideen, war beim Zug mit dabei und hat mit uns gefeiert. Da sagte der auch: „Boah, ich wusste gar nicht, dass ihr in Wanlo so eine coole Truppe seid.“ Obwohl wir uns gar nicht kannten, war er offen und ehrlich aufgenommen worden und konnte sich entsprechend einbringen. Ich denke, genau das ist es, was uns hier in Wanlo ausmacht – ein wenig verrückt aber immer offen und ehrlich und auch immer gemeinsam. Es würde mich persönlich freuen, wenn sich die Eltern, die – noch nicht – in einer Uniform stecken, zu einer „lockeren“ Gruppe im Zug zusammenschließen würden.

 

PS: Ein kurzer Blick in die Zukunft. Welche Tendenz siehst Du bei der Entwicklung der Jungschützen?

 

ST: Eine Fluktuation bei den Mitgliedern ist vollkommen normal. Mal gehen welche raus, mal kommen neue hinzu. Letztendlich glaube ich aber, dass ein Teil davon auch nach der Jungschützen-Zeit aktiv bleiben wird und dass sich dieser Teil auch ohne fremdes Dazutun irgendwann einmal in irgendeiner Uniform zu einer Schützengruppe zusammenfügen wird.

 

PS: Du bist vor über fünf Jahren eher zufällig Jugendwart geworden. Würdest Du jetzt sagen, dass es inzwischen Dein Amt, Deine Berufung geworden ist?

 

ST: Ob es die Berufung ist, weiß ich nicht. Natürlich kann ich hier meine doofen und spaßigen Ideen umsetzen, die ich von früher aus der eigenen Kindheit hatte, zum Beispiel das Zelten. Das soll jetzt nicht platt klingen, aber Kinder sind manchmal anstrengender, aber auch einfacher im Umgang. Wenn ich da im Vergleich die Probleme im Vorstand sehe, mit denen die sich rumärgern müssen, dann lehne ich mich in meinem Amt eher noch zurück. Insofern finde ich die Jugendarbeit voll in Ordnung. Im Moment könnte ich mir in der Bruderschaft keinen besseren Job vorstellen, als Jugendwart zu sein.

 

PS: Können wir das als Schlusswort stehen lassen?

 

ST: Nicht ganz. Wichtig ist auf jeden Fall, dass ich diese Aufgabe nie alleine bewältigt bekommen würde. Ich stehe als Jugendwart zwar immer an vorderster Front, ernte den Ruhm und werde zitiert oder interviewt, aber es unterstützen mich noch viel mehr Leute. Ohne das Team aus Kyra, Yvonne und Julia sowie die Eltern, die dahinter stehen, wäre das alles nicht zu leisten. Vor allem danke ich meiner Frau Bettina, die immer wieder alles mitmacht und mich unterstützt. Jugendarbeit besteht eben aus ganz vielen kleinen Rädchen, die ineinander greifen müssen, damit so etwas überhaupt funktionieren kann.

 

PS: Vielen Dank für das Gespräch.