Interview mit Hubert Becker

 

 

Er ist Anfang des Jahres 70 Jahre alt geworden, im kommenden Jahr feiert er Goldhochzeit: Hubert Becker von der Gruppe der 45 Jahre bestehenden Roten Husaren kann sich vor Feiern und Jubiläen derzeit kaum retten. In diesem Jahr ist es zudem 30 Jahre her, dass Hubert Becker Schützenkönig in Wanlo war. Im Interview mit der Paradeschrift erzählt er von seinen Erlebnissen damals.

 

PS: Wann und wieso kam bei Dir der Wunsch auf, Schützenkönig zu werden?

 

HB: Als Toni Katz 1983 Bezirkskönig war, begleiteten ihn die Roten Husaren als Ehrengarde. Schon damals sprach mich Franz-Josef Klauth darauf an, dass ich ja auch mal König werden und beim Schießen um den Bezirkskönig mitmachen könnte. Da kam dann zum ersten Mal die Überlegung auf, König zu werden. Ich war dafür und meine Frau Hella war auch dafür.

 

PS: Die Umstände beim Vogelschuss 1985 waren dann etwas merkwürdig. Was war da los?

 

HB: Bei der Frühkirmes wollte ich schon schießen, aber ich wollte keinesfalls alleine schießen, sondern einen Gegner haben. Daher gab es erstmal keinen König, bis das Schießen bei der Spätkirmes nachgeholt wurde. Dort hieß es dann, dass es einen zweiten Bewerber gab und ich bin angetreten. Es stellte sich aber heraus, dass der zweite Schütze geschieden und wiederverheiratet war und nach den damaligen Regeln der Kirche nicht Schützenkönig werden durfte. Also musste ich doch alleine schießen. Das fand ich doch ziemlich blöd.

 

PS: Wie hast Du das Schützenfest hier in Wanlo erlebt?

 

HB: Insgesamt war es ein schönes Fest. Das Wetter war auch gut: sonnig, aber windig. Schon von den Vorbereitungen an war alles gut gelaufen. Die ganze Straße war geschmückt. Die Gruppe und die Nachbarschaft hatten mit angepackt beim Residenzbau. Gut, mancher als Arbeiterdenkmal – der hielt sich an den Balken fest, damit er nicht umfällt. (Lacht) Es kam auch schon mal vor, dass einer auf der Leiter stand und unten schon der Schnaps rumging.

 

PS: Im Geschäftsbericht von damals wird betont, dass das Festzelt so gut besucht war, was ein Verdienst des Königs wäre.

 

HB: Ja, natürlich. Unsere ganze Nachbarschaft ist am Sonntagabend mit ins Zelt gegangen. Dazu kamen Arbeitskollegen von meiner Frau und mir sowie die Verwandtschaft. Hellas Tante war extra aus der DDR angereist und führte in der Zeit hier den Haushalt. Als Rentnerin hatte sie als einzige der engeren Verwandtschaft die Möglichkeit, hierhin zu reisen.

 

PS: Was hat Dir die Hellas Unterstützung damals bedeutet?

 

HB: Naja, die Frau dabei ist ja eigentlich das Teure für den König. (Lacht) Aber Spaß beiseite, es geht ja gar nicht anders. Wenn deine Frau nicht dahintersteht, brauchst du es gar nicht erst anzufangen. 

 

PS: Gab es für Dich ein besonderes Highlight während der Schützenfesttage?

 

HB: Vor allem der Prunkmontag, der war damals noch richtig klasse. Beim Klompenball musste ich mit den ganzen Frauen an die Theke gehen. Und dann wurde es gefährlich. Ich stand mit den Frauen an der Theke und Hella mit den Männern. Es wurde Schnaps bestellt. Manch einer von den Frauen aus der Gruppe hat in der Nacht drauf im Kleid geschlafen. Zu der Zeit ging es sehr feucht-fröhlich zu, da waren wir noch fit.

 

PS: Welcher Auswärtstermin ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

 

HB: Ich war im Juni als Gastkönig nach Holt eingeladen worden und stand beim Zapfenstreich am Ehrenmal, da sagte mein Minister Franz-Josef Klauth zu mir: „Geh besser raus, du kippst hier gleich um.“ Wir waren damals so schlau gewesen und hatten gesagt „Trink nicht so viel, dann musste nicht so oft aufs Klo“. Das war natürlich der dümmste Fehler, den man machen kann. Die Folge: Ich war so ausgetrocknet, dass ich einen Kollaps bekommen habe und ich ins Krankenhaus musste. Hella saß mit dem Kleid im Bethesda. 

 

PS: Im Geschäftsbuch wird auch noch ein Termin bei der Bolten-Brauerei erwähnt. Was war denn da los?

 

HB: Das war ein Empfang eine Woche nach unserem Schützenfest. Da wurde ein Pittermännchen nach dem anderen angeschlagen und leer gemacht. Ich bin ja eigentlich kein Alt-Trinker, aber das war richtig gut. Plötzlich sagte einer zu mir, mal was kürzer zu treten, weil am Nachmittag noch das Fußballturnier der Bruderschaft stattfand. Das war ja das Schlimme. Natürlich haben wir jedes Spiel verloren und sind Letzter geworden.

 

PS: Neben Deiner Königswürde und Deiner jahrzehntelangen Treue zu den Roten Husaren fällt auf, dass Du von 1982 bis 2010 ununterbrochen Beisitzer der Bruderschaft warst. Hat Dir die Arbeit so gut gefallen?

 

HB: Naja, eigentlich hat man ja nix zu tun. Höchstens mal für die Arbeit eingeteilt zu werden. Die Arbeit hat mich aber auch nicht gestört. Viele in der Gruppe und ich selbst waren ja auch handwerklich begabt. Erst als ich in Rente ging, kamen dann die Wehwehchen.

 

PS: Vielen Dank für das Gespräch.